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Grundlagen

Datensicherung: Warum das grüne Häkchen nichts beweist

24. Februar 2025 · RATH-iT · ← Zurück zum Blog
GRÜNES HÄKCHEN

Die Wiederherstellung dauerte drei Tage.Gesichert wurde jede Nacht.

Die Rechnung Ihres IT-Betreuers liegt zur Freigabe am Schreibtisch, eine Position heißt Datensicherung, und Sie zeichnen sie ab wie jeden Monat. Wann aus dieser Sicherung zuletzt jemand etwas zurückgeholt hat, können Sie nicht sagen.

3Tage Stillstand
hat die Wiederherstellung tatsächlich gedauert
! Ein Tag, an dem nichts Besonderes passiert
09:10 Buchhaltung „Die Rechnung vom IT-Betreuer, Position Datensicherung. Zur Freigabe.“
11:25 Büroleitung „Läuft eh. Ist ja alles grün.“
14:40 Sekretariat „Ich habe gestern eine Datei gelöscht. Kommt die wieder zurück?“
16:15 Sie „Eine Rückholprobe machen wir, wenn wieder Luft ist.“

Ob es ein Backup gibt, beantwortet fast jedes Unternehmen mit Ja. Auf die Frage, wann zuletzt probeweise etwas wiederhergestellt wurde, folgt dagegen oft Schweigen. Wir proben solche Rückholungen laufend, und der unangenehmste Moment ist immer derselbe: Das Protokoll ist grün, und der Server startet trotzdem nicht.

Die Sicherung lief vier Jahre, der Ernstfall war der erste Test

Vier Jahre lang lief die Sicherung jede Nacht durch. Zurückgeholt hatte daraus nie jemand etwas. Begründung: verlassen hat sich der Betrieb auf das nächtliche Protokoll. Einen Fehler hat es nie gemeldet, grün war es tatsächlich. Dann fiel in dem Betrieb, den wir übernommen haben, der Server aus.

Ergebnis: Die Sicherung hat die Datenbank der Branchensoftware kopiert, aber in einem Zustand, aus dem sie sich nicht starten ließ. Aufgefallen wäre das bei jeder Probe, es gab nur nie eine. Uns ist bis heute keine Sicherung untergekommen, der eine Probe geschadet hätte.

Bis der Betrieb wieder arbeiten konnte, vergingen drei Tage. Drei Tage ohne Unterlagen, ohne offene Posten, ohne Buchhaltung. Der Unterschied zwischen drei Stunden und drei Tagen ist keine technische Feinheit, sondern der Preis des Ernstfalls. Vorher stand er nirgends.

Wer in diesen drei Tagen die Kunden anruft und was er ihnen sagt, entscheidet, wie der Vorfall im nächsten Jahr nachwirkt. Dazu kommt eine Frage, die im Betrieb regelmäßig erst im Schadensfall aufkommt: zahlt die Cyberversicherung, wenn niemand die Wiederherstellung je geprobt hat? Nachlesen lässt sich das nur in den Bedingungen.

Wann wurde bei Ihnen zuletzt zurückgeholt?
Woran Sie den Zustand erkennen

Fünf Punkte.Still für sich beantwortet.

Es geht nicht um Schuld, nur um das Muster.

01 Zahlen Sie seit Jahren für eine Sicherung, die nie jemand zurückgespielt hat?
02 Müssen Sie raten, wie lange Ihr Betrieb nach einem Ausfall steht?
03 Sie wissen nicht genau, ob eine Kopie Ihrer Daten außerhalb des Serverraums liegt?
04 Bekommen Sie keine Meldung, wenn eine Sicherung abbricht?
05 Fehlt Ihnen ein schriftlicher Nachweis, welche Daten Ihre Sicherung überhaupt umfasst?
Woran Sie es im Alltag merken.

Woran eine brauchbare Sicherung erkennbar ist

Der Sicherungsumfang. Der Server steht in jedem Konzept. Weniger selbstverständlich sind drei andere: die Postfächer, die Ablage der Branchensoftware und die Daten in der Cloud. Bei der Cloud verlassen sich viele darauf, dass Microsoft das schon erledigt. Betriebe verändern sich, Sicherungen bekommen das nicht von selbst mit. Gehen Sie den Umfang einmal im Jahr bewusst durch.

Die Kopie außer Haus. Das ist der Punkt, der am häufigsten fehlt. Eine Sicherungsplatte neben dem Server hilft nicht bei Brand, Wasserschaden oder Einbruch, und sie hilft auch nicht bei einem Verschlüsselungsangriff: Moderne Erpressungssoftware sucht gezielt nach erreichbaren Sicherungen und verschlüsselt sie mit.

Die gemessene Dauer. Eine Sicherung, aus der die Wiederherstellung drei Tage braucht, ist eine andere Zusage als eine, die in drei Stunden zurück ist. Wer diese Zahl nicht nennen kann, hat sie nie gemessen, und dann ist sie im Ernstfall eine Überraschung.

Für Technik-Interessierte Was eine Rückholprobe wirklich prüft

Eine Sicherung kann formal fehlerfrei sein und trotzdem nicht zurückkommen. Vier Punkte entscheiden darüber.

Von diesen vier Punkten zeigt das Sicherungsprotokoll keinen einzigen an. Deshalb beweist ein grünes Häkchen nichts.

  • Anwendungskonsistenz. Datenbanken brauchen eine Sicherung, bei der das Sicherungsprogramm die Software im richtigen Moment einfriert. Sonst entsteht eine Kopie, aus der sich die Datenbank nicht wieder starten lässt. Diesen Unterschied bemerkt man ausschließlich bei der Rückholung.
  • RPO und RTO. Wie viel Arbeit darf verlorengehen (der Abstand zwischen zwei Sicherungen), und wie lange darf die Wiederherstellung dauern? Beides sind Entscheidungen, keine Zufallswerte, und beide legen Sie schriftlich fest.
  • Die unveränderbare Kopie. Gegen Verschlüsselungsangriffe zählt nur eine Kopie, die vom Netz getrennt ist oder unveränderbar gespeichert wird. Fachbegriff dafür ist Immutable Storage.
  • Die Zielhardware und das Verfahren. Wie lange eine Rückholung dauert, hängt am Datenvolumen, am Zielgerät und am Sicherungsprogramm. Der größte Hebel liegt beim Verfahren: Instant Recovery startet die virtuelle Maschine direkt aus dem Sicherungsspeicher, statt sie erst vollständig zurückzukopieren. Der Betrieb läuft nach Minuten wieder, die Daten wandern im Hintergrund an ihren Platz. Das ist der Unterschied zwischen drei Stunden und drei Tagen, und keine Zielplatte holt ihn auf.
Wann ein Backup für uns eines ist.
Thomas Stoklasamit KI bearbeitet
„Ein Backup ist für mich erst dann eines, wenn wir die Wiederherstellung geprobt haben. Alles davor ist ein grünes Häkchen in einem Menü.“
Thomas Stoklasa
Senior Operations Engineer
Und wie kommt man aus der Vermutung heraus?

Wie man den Ernstfall vorher übt

Monatlich die kleine Probe. Eine einzelne Datei, die jemand angeblich gestern gelöscht hat. Das dauert Minuten und deckt die häufigsten Lücken im Umfang auf.

Quartalsweise die mittlere. Ein ganzes Postfach oder ein Ordner der Branchensoftware. Hier zeigt sich, ob auch das gesichert wird, was seit dem letzten Umbau dazugekommen ist.

Einmal im Jahr die große. Ein kompletter Server, testweise hochgefahren in einer abgeschotteten Umgebung. Dabei zeigt sich, ob er startet, ob die Programme laufen und wie lange das Ganze dauert. Diese Dauer muss die Geschäftsführung kennen.

Nach jeder Probe das Protokoll. Was wiederhergestellt wurde, wie lange es gedauert hat, was aufgefallen ist. Aus „wir sichern täglich“ wird damit ein belegbares „wir haben am Monatsanfang wiederhergestellt, es hat funktioniert, und so lange hat es gedauert“.

Der Aufbau dahinter ist die alte Faustregel: drei Exemplare der wichtigen Daten, auf zwei verschiedenen Arten von Speicher, eine Kopie außer Haus. Mehr steckt hinter 3-2-1 nicht.

Wo die Grenze liegt

Den Sicherungsumfang hinterfragen und eine Rückholprobe einfordern können Sie selbst. Eine anwendungskonsistente Sicherung der Branchensoftware aufsetzen, die getrennte Kopie sauber organisieren und die Wiederherstellung unter realen Bedingungen proben: Das ist Arbeit für Leute, die es regelmäßig tun.

„Dafür zahlen wir doch jeden Monat“

Stimmt, und der Einwand ist berechtigt. Sie haben eine Leistung eingekauft, sie steht auf der Rechnung, und niemand hat je gesagt, dass etwas fehlt. Bezahlt ist damit allerdings das Sichern. Ob zurückkommt, was gesichert wurde, ist eine andere Position, und die steht auf keiner Rechnung.

Den Feuerlöscher im Gang lassen Sie ja auch jährlich prüfen, obwohl er die ganze Zeit rot an der Wand hängt.

Vier Fragen zu Ihrer Sicherungskette.
Zum Weitergeben

Vier Fragen, und was Sie selbst tun können.

Das fragen Sie Das tun Sie
PROBE
„Wann wurde unsere komplette Wiederherstellung zuletzt geprobt, und wie lange hat sie gedauert?“
Fixieren Sie einen Probetermin und halten Sie die gemessene Dauer in der Geschäftsführung fest.
NACHWEIS
„Zeigen Sie mir das Protokoll der letzten Rückholprobe.“
Legen Sie das Protokoll ab und fordern Sie ab jetzt nach jeder Probe eines ein.
KOPIE
„Welche Kopie unserer Daten erreicht ein Verschlüsselungsangriff nicht, und wo liegt sie?“
Lassen Sie sich den Ort nennen und prüfen Sie selbst, ob er außer Haus ist.
AUFSICHT
„Wer hat den letzten Sicherungsfehler bemerkt, und nach wie vielen Tagen?“
Lassen Sie eine Meldung an eine zweite Adresse im Betrieb einrichten.

Bleibt eine dieser Antworten aus, haben Sie Ihre Sicherung bisher eingeschaltet, aber nie verantwortet.

Wenn keine Antwort kommt

Nach dem Protokoll gefragt.Und nur ein grünes Häkchen bekommen?

Dann ist Ihre Sicherung bis heute eine Hoffnung und keine Zusage. Reden wir eine halbe Stunde darüber. Wir gehen Ihre Sicherungskette durch und sagen Ihnen, wie lange eine Wiederherstellung bei Ihnen tatsächlich dauert.

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