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Grundlagen

Microsoft 365: Wer für die Wiederherstellung zuständig ist

8. Juli 2026 · RATH-iT · ← Zurück zum Blog
DIE CLOUD

Das Postfach war mit der Lizenz gekündigt.Gebraucht wurde es zwei Jahre später.

So beginnt es fast immer: eine Anfrage, ein Postfach, das nicht mehr existiert, und ein Vormittag, an dem sich herausstellt, dass niemand mehr weiß, wen man das eigentlich fragen muss.

30Tage
so lange hält Microsoft ein gekündigtes Postfach noch vor
! Was an diesem Vormittag gesucht wird
09:15 Sekretariat „Der Klient braucht den Schriftverkehr von vor zwei Jahren.“
09:40 Buchhaltung „Das Postfach der Kollegin wurde damals mit der Lizenz gekündigt.“
10:20 Kollege „Im Papierkorb finde ich nur, was aus den letzten dreißig Tagen übrig ist.“
11:00 Sie „Wir sind eh in der Cloud, das müsste doch Microsoft sichern?“

Der Satz fällt in Bestandsaufnahmen fast beiläufig, meistens genau dann, wenn wir nach der Datensicherung fragen. Er klingt vernünftig und ist trotzdem einer der teuersten Irrtümer, die ein Unternehmen über seine IT haben kann.

Im dokumentierten Ablauf stand nichts vom Sichern

In einem Betrieb, den wir übernommen haben, wurde beim Ausscheiden einer Mitarbeiterin die Lizenz gekündigt, und damit war das Postfach weg. Der Ablauf war sogar sauber dokumentiert. Nur stand darin nichts von „vorher sichern“, weil niemand die Frage je gestellt hat.

Zwei Jahre später brauchte ein Klient genau diesen Schriftverkehr. Die 30 Tage, die Microsoft ein Postfach nach dem Entzug der Lizenz noch vorhält, waren längst abgelaufen, und damit war die Korrespondenz endgültig fort.

Fehlt ein Postfach, fehlt der Nachweis: gegenüber dem Kunden, der eine Zusage von damals sucht, gegenüber der Behörde bei einer Prüfung, im schlechten Fall vor Gericht. Der einzige Satz, der dann bleibt, ist der von der abgelaufenen Frist, und den will niemand sagen müssen.

Kennen Sie diese Suche nach alter Post?
Woran Sie den Zustand erkennen

Fünf Punkte.Still für sich beantwortet.

Es geht nicht um Schuld, nur um das Muster.

01 Verlassen Sie sich darauf, dass Microsoft Ihre Daten schon sichern wird?
02 Sie können die Frage, ob ein Mail vom letzten März wiederhergestellt werden kann, nicht eindeutig mit Ja beantworten?
03 Sie wissen nicht mit Sicherheit, wo die Korrespondenz Ihrer Mitarbeiter nach deren Ausscheiden gesichert wird?
04 Sie haben einen Restore (Wiederherstellung) bisher noch nie wirklich getestet und das Ergebnis nachgewiesen bekommen?
05 In Ihrem Austrittsprozess ist nicht eindeutig definiert, wie mit den Daten vorgegangen werden soll?
Woran Sie es im Alltag merken.

Bis wohin der Papierkorb hilft

Die Frist. Der Papierkorb ist eine Komfortfunktion für den kleinen Alltagsfehler, für die vorhin gelöschte E-Mail oder die Datei von heute Vormittag. Wie weit er zurückreicht, hängt vom Dienst ab: In SharePoint und OneDrive stehen zwei Papierkörbe hintereinander und decken zusammen 93 Tage ab. Im Postfach leert sich der Ordner Gelöschte Elemente ohne eigene Richtlinie überhaupt nicht, und wer ihn leert, findet die Nachricht ab Werk noch 14 Tage im Ordner Wiederherstellbare Elemente. Beim Konto sind zwei Vorgänge zu unterscheiden: Entziehen Sie einem Benutzer die Lizenz, bleibt das Postfach 30 Tage bestehen und wird dann gelöscht. Löschen Sie das Benutzerkonto selbst, holen Sie es 30 Tage lang zurück. Danach sind die Daten endgültig weg, und ein gezielter Stand von einem bestimmten Tag war ohnehin nie darin.

Das Konto, an dem er hängt. Wer an das Konto kommt, kommt auch an den Papierkorb. Ein Angreifer, der nach einer Phishing-Mail ein Konto übernimmt, kennt ihn genauso gut wie Sie. Er leert ihn gleich mit.

Die Aufbewahrungsrichtlinie als Sonderfall. Sie ist etwas anderes als der Papierkorb und hält Jahre statt Tage. Eine Richtlinie im Beweissicherungsverfahren bewahrt die Märzmail sehr wohl auf, auch gegen den Willen des Benutzers. Nur liegt sie im selben Mandanten und unter derselben Administratorkennung wie alles übrige. Wer diese Kennung übernimmt, schaltet sie ab, sofern niemand einen Preservation Lock gesetzt hat, und die Kopie geht mit. Dazu kommt: Sie bewahrt auf, sie stellt nicht wieder her. Den Stand eines bestimmten Tages, Postfach für Postfach oder Ordner für Ordner, holen Sie damit nicht zurück.

Und die geteilte Zuständigkeit. Microsoft hält die Server am Laufen, spielt Updates ein und sorgt für Verfügbarkeit. Daran scheitert es praktisch nie. Ob eine gelöschte oder verschlüsselte Mail wiederherstellbar ist, liegt bei Ihnen. Der Umzug in die Cloud verschiebt den Ort der Daten, nicht die Zuständigkeit.

Für Technik-Interessierte Was eine M365-Sicherung leisten muss

Vier Eigenschaften unterscheiden eine Sicherung von einer Komfortfunktion.

Und wie bei jeder Sicherung gilt: Ein Sicherungsbericht ohne Wiederherstellungstest ist eine Vermutung, kein Nachweis.

  • Eigene Infrastruktur, eigene Zugangsdaten. Die Sicherung holt die Daten über die offiziellen Schnittstellen aus Microsoft 365 und legt sie außerhalb ab, mit Anmeldedaten, die nicht an den Microsoft-Konten hängen. Wer ein Administratorkonto übernimmt, kommt damit nicht an die Kopien.
  • Unveränderlichkeit. Einmal geschriebene Sicherungsstände lassen sich auch mit Administratorrechten nicht nachträglich löschen oder verschlüsseln. Ohne diese Eigenschaft ist die Sicherung Teil des Angriffsziels.
  • Versionierung über Monate und Jahre. Nicht Tage, und vor allem gezielt auf einen Stichtag. Das ist der Unterschied zum Papierkorb und zur Aufbewahrungsrichtlinie und der Grund, warum Aufbewahrungspflichten überhaupt erfüllbar werden.
  • Granulare Wiederherstellung. Eine einzelne E-Mail, ein Ordnerstand, ein komplettes Postfach, jeweils gezielt und ohne Komplett-Rücksicherung. Sonst ist die Wiederherstellung theoretisch möglich und praktisch zu teuer.
Was der Techniker im Ernstfall sagt.
Thomas Stoklasamit KI bearbeitet
„Verfügbarkeit ist Microsofts Aufgabe, Wiederherstellbarkeit ist unsere. Wer die beiden verwechselt, merkt es erst, wenn er eine E-Mail vom März braucht und nur den Papierkorb von gestern hat.“
Thomas Stoklasa
Senior Operations Engineer
Und was wäre eine echte Sicherung?

Wie eine echte Sicherung aussieht

Täglich, automatisch, außerhalb. Postfächer, Dateien aus OneDrive und SharePoint, Teams-Daten. Eine eigenständige Kopie an einem anderen Ort, getrennt von den Zugängen, die ein Angreifer erbeuten kann.

Mit einem Ablauf beim Ausscheiden. Erst sichern, dann Lizenz kündigen. Diese Reihenfolge ist der ganze Unterschied zu diesem Fall, und sie kostet nichts außer einer Zeile in der Checkliste.

Mit den Bordmitteln, die für den Austritt gedacht sind. Ein Postfach, das nach dem Austritt nur noch nachlesbar bleiben soll, wandeln Sie in eine freigegebene Mailbox um. Bis 50 GB braucht sie keine Lizenz. Wer das Postfach unverändert einfrieren will, hält es über eine Aufbewahrungsrichtlinie als inaktives Postfach. Beides ist in Microsoft 365 enthalten, und der Fall oben wäre mit dem einen wie mit dem anderen nie entstanden. Die Sicherung wird davon nicht überflüssig: Sie deckt ab, was diese beiden nicht können, den Stand eines bestimmten Tages und die Kopie außerhalb des Mandanten.

Mit Blick auf die Aufbewahrungspflichten. Sie enden nicht damit, dass Sie ein Konto kündigen. Wer Unterlagen über Jahre vorhalten muss, kann das nicht an Papierkörbe delegieren, die nach Tagen leer sind.

Und mit einer Probe, die jemand gesehen hat. Die einzelne E-Mail vom März, zurückgeholt im Gespräch, mit gestoppter Dauer. Danach wissen Sie, woran Sie sind.

Wo die Grenze liegt

Die Fragen stellen und die Probe einfordern können Sie ohne jedes technische Wissen, und beides müssen Sie tun. Auswahl, Einrichtung und laufende Überwachung einer eigenständigen Sicherung sind Aufgaben für den Profi, denn eine Sicherung, die unbemerkt steht, ist gefährlicher als gar keine.

„Das hätte uns doch jemand gesagt“

Der Einwand ist der häufigste und der berechtigtste: Wir zahlen monatlich für diese Umgebung, da wird uns doch jemand gesagt haben, wenn etwas fehlt. Ehrlich gesagt haben die meisten Betriebe diesen Punkt nicht falsch verstanden, sondern nie erklärt bekommen, weil er im Verkaufsgespräch stört.

Beim Bankschließfach steht auch in den Bedingungen, dass die Bank für den Tresorraum haftet und nicht für den Inhalt. Nur liest man dort nach, bevor man etwas hineinlegt.

Vier Fragen zu Ihren Daten in der Cloud.
Zum Weitergeben

Vier Fragen, und was Sie selbst tun können.

Das fragen Sie Das tun Sie
SPEICHERORT
„Zeigen Sie mir, wo unsere Microsoft-365-Daten außerhalb von Microsoft liegen. Speicherort und letzter Sicherungsbericht bitte.“
Legen Sie den Bericht mit Datum ab und fordern Sie ihn in drei Monaten erneut an.
PROBE
„Stellen Sie mir jetzt eine E-Mail vom Frühjahr wieder her. Ich warte gern.“
Sehen Sie bei der Probe zu und notieren Sie die Dauer.
REICHWEITE
„Wie weit reichen unsere gesicherten Stände zurück: Tage, Monate oder Jahre? Belegen Sie es.“
Halten Sie die Antwort gegen die Aufbewahrungspflichten Ihrer Branche.
AUSSCHEIDEN
„Was passiert mit dem Postfach, wenn wir morgen eine Lizenz kündigen? Den Ablauf bitte, schriftlich.“
Legen Sie intern fest: erst sichern, dann Lizenz kündigen.

Wer stattdessen auf den Papierkorb verweist, hat Ihre Daten nie gesichert, sondern nur den Dienst weiterverrechnet.

Wenn keine Antwort kommt

Um eine Wiederherstellung gebeten.Und einen Verweis auf den Papierkorb bekommen?

Dann hängt die Korrespondenz eines ausgeschiedenen Mitarbeiters an dreißig Tagen. Reden wir eine halbe Stunde darüber. Nennen Sie uns eine Mail, die Ihnen heuer, also 2026, abhandengekommen ist, und wir sagen Ihnen, ob und woher sie zurückkommt.

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Max Hacklmit KI bearbeitet
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