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Steuerberater

„BMD ist langsam“: Wo die Ursache meistens wirklich liegt

10. März 2025 · RATH-iT · ← Zurück zum Blog
DIE SANDUHR

Zwei Stunden Aufräumen haben gereicht.Angeboten war ein neuer Server.

Halb zehn an einem Dienstag. Die Kollegin aus der Bilanzierung steht in der Tür und sagt, was sie diese Woche schon zweimal gesagt hat: „BMD ist heute wieder langsam.“ Irgendwann meldet es niemand mehr.

2Stunden Aufräumen
statt eines neuen Servers
! Ein Dienstag im Kanzleialltag
08:15 Sekretariat „Der Ordner mit den Belegen geht heute wieder nur langsam auf.“
09:30 Bilanzierung „BMD ist heute wieder langsam. Die Buchungsmaske braucht Sekunden.“
11:00 Sachbearbeitung „Die Auswertung zieht sich. Ich mache inzwischen etwas anderes.“
15:20 Sie „Sobald der neue Server da ist, wird das besser.“

Wir hören diesen Satz derzeit fast wöchentlich, und in den allermeisten Fällen stimmt er nicht. Die Software ist der Bote.

Das Angebot war schon am Tisch

In einer Kanzlei mit rund 30 Mitarbeitern, die uns konsultiert hat, war schon ein Angebot für einen neuen Server am Tisch. Begründung: das brauchen wir, weil BMD langsam ist. Nun gut, das kann sein, muss es aber nicht. Wir haben uns der Sache angenommen und unterschiedliche Aktionen im BMD gemessen, und zwar genau so, wie die User an diesem Standort wirklich arbeiten, also Realbedingungen.

Ergebnis: Die Datenbank war es nicht. Es war die Anmeldespitze am Terminalserver zwischen acht und neun, verschärft durch zwei über Jahre aufgeblähte Benutzerprofile.

Die Anmeldung hat davor fünf bis acht Minuten gedauert, danach 30 Sekunden. Zwei Stunden Aufräumarbeit später war der Vormittag wieder normal. Ohne unsere Messung wäre der Server wahrscheinlich getauscht worden. Und die Fehlersuche bleibt einem dann auch nicht erspart.

Nachgerechnet mit den unteren Werten: fünf Minuten statt dreißig Sekunden, macht viereinhalb Minuten je Kopf und Morgen. An drei von fünf Tagen sind das je Kopf knapp drei Stunden im Quartal. In Honorar zählt nur, wer verrechnet. Je Einheit aus einem Steuerberater und fünf Buchhaltern, zu 180 und 90 Euro je Stunde, sind das rund 1.800 Euro im Quartal. In dieser Kanzlei steckt die Einheit mehrfach. Das Sekretariat wartet mit, verrechnet aber nichts. Erfasst ist davon nichts, Wartezeit steht in keiner Leistungsaufzeichnung.

Fällt der Satz bei Ihnen auch?
Woran Sie den Zustand erkennen

Fünf Punkte.Still für sich beantwortet.

Es geht nicht um Schuld, nur um das Muster.

01 Hören Sie „BMD ist langsam“ öfter als einmal pro Woche?
02 Wurde schon Hardware getauscht, ohne dass es danach besser war?
03 Kann Ihnen niemand sagen, woran es am letzten zähen Vormittag gelegen ist?
04 Wird Ihr Team seit Monaten auf den nächsten Servertausch vertröstet?
05 Müssten Sie erst nachfragen, wie lange ein Buchungslauf bei Ihnen heute tatsächlich dauert?
Drei Verdächtige, und keiner heißt BMD.

Drei übliche Verdächtige

Der Arbeitsspeicher des Servers. Der Datenbestand wächst über die Jahre, der Speicher nicht. Wird er knapp, lagert der Server ständig aus, und alles wird zäh. Von außen sieht das aus wie „BMD hängt“, und die Prozessoranzeige bleibt dabei unauffällig.

Der Speicher unter der Datenbank. Ein Plattensystem, das vor Jahren großzügig dimensioniert war, kann heute der Flaschenhals sein, besonders wenn die Sicherung parallel läuft oder ein Virenscanner mitliest. Speicher altert nicht sichtbar, er wird nur langsam zu langsam.

Das Netz und die Profile. Zwischen Arbeitsplatz und Server liegt ein Netz, das nur so stark ist wie sein schwächstes Glied: ein defektes Kabel, ein überlasteter alter Verteiler, eine dünne Leitung ins Homeoffice. Und am Terminalserver hängt die Anmeldung an den Benutzerprofilen. Wie groß sie geworden sind, steht in keiner Übersicht.

Für Technik-Interessierte Woran man den echten Engpass erkennt

Erst das Zusammenspiel mehrerer Werte, gemessen im Moment der Klage, ergibt eine Diagnose. Vier davon tragen sie.

Wer diese vier Werte nicht nebeneinanderlegen kann, kann den Engpass nicht benennen, sondern nur vermuten.

  • Die Auslagerungsrate. Ein voller Arbeitsspeicher zeigt sich nicht an der Prozentanzeige, sondern daran, dass der Server paginiert, also Speicherseiten auf die Platte auslagert. Dann explodieren die Antwortzeiten der Datenbank, während die CPU langweilt.
  • Die Latenz je Zugriff. Beim Speicher zählt nicht der Durchsatz in MB/s, sondern die Latenz in Millisekunden. Eine Datenbank stellt tausende kleine Anfragen und keine großen, und genau bei diesem Muster brechen klassische Platten ein.
  • Die Anmeldespitze. Zwischen acht und neun verrät der Terminalserver mehr als jeder Tagesdurchschnitt. Wer nur den Mittelwert des Tages ansieht, sieht die Spitze nie.
  • Index und Statistiken. Veraltete Indizes und Statistiken machen Abfragen langsam, ohne dass irgendein Gerät ausgelastet ist. Das ist Datenbankpflege und kostet keine Hardware.
Warum die Datenbank fast nie schuld ist.
Matthias Fabian Traegermit KI bearbeitet
„Die Datenbank ist fast nie schuld, aber sie zeigt als Erste, wo es klemmt. Wer misst statt rät, tauscht am Ende deutlich seltener Hardware.“
Matthias Fabian Traeger
Partner
Und was steht statt des Angebots?

Wie man den echten Engpass findet

Im Moment der Klage messen wir. Nicht am ruhigen Abend, sondern genau dann, wenn jemand in der Tür steht. Eine laufende Aufzeichnung macht das möglich, weil sie den Moment schon mitgeschrieben hat, bevor jemand gefragt hat.

Danach legen wir die Werte übereinander. Auslastung von Prozessor, Arbeitsspeicher und Platten, Antwortzeiten des Speichers unter Last, Verhalten des Terminalservers bei der Anmeldung. Aus vier Kurven wird eine Aussage.

Dann folgt die Maßnahme aus dem Befund. Arbeitsspeicher aufrüsten statt Server tauschen. Ein Profil aufräumen statt neuer Hardware. Manchmal ist es der große Schritt, aber dann weiß man, warum.

Zuletzt messen wir nach. Eine Maßnahme ohne Kontrollmessung ist eine Behauptung. Erst der Vorher-nachher-Vergleich zeigt, ob die Maßnahme die richtige Stelle getroffen hat.

Wo die Grenze liegt

Uhrzeiten notieren, Muster erkennen, die richtigen Fragen stellen: Das geht ohne uns. Die Messung, die Server, Speicher, Netz und Profile gleichzeitig betrachtet und den Moment der Klage mit den Werten desselben Moments übereinanderlegt, braucht Werkzeug und Erfahrung. Sonst wird wieder geraten, nur diesmal mit Diagrammen.

„Dann kaufen wir eben einen neuen Server“

Der Reflex ist nachvollziehbar. Das Team klagt seit Wochen, ein Angebot liegt vor, und eine Entscheidung fühlt sich besser an als weiteres Zuwarten. Nur ist ein Servertausch keine Diagnose, sondern eine Wette darauf, dass der Server das Problem war.

Bei einer Bilanz, die nicht aufgeht, tauschen Sie ja auch nicht den Kontenplan, sondern suchen die Differenz. Das Suchen dauert länger als das Entscheiden, und es ist der einzige Weg, bei dem Sie hinterher wissen, wofür Sie gezahlt haben.

Vier Fragen vor dem nächsten Servertausch.
Zum Weitergeben

Vier Fragen, und was Sie selbst tun können.

Das fragen Sie Das tun Sie
AUFZEICHNUNG
„Zeigen Sie mir die Auslastungskurve unseres Servers aus den letzten drei Monaten.“
Verlangen Sie eine dauerhafte Aufzeichnung ab dieser Woche, wenn es keine gibt.
PROFILE
„Wann wurden die Benutzerprofile am Terminalserver zuletzt aufgeräumt?“
Vereinbaren Sie ein Datum für den nächsten Durchgang und tragen Sie es im Kalender ein.
URSACHE
„Als es zuletzt langsam war: Was war die Ursache? Bitte mit Messwert.“
Notieren Sie beim nächsten Mal Uhrzeit und Arbeitsplatz selbst, drei Einträge genügen.
MESSGRÖSSE
„Woran messen Sie, ob BMD bei uns schnell genug läuft, und wann haben Sie das zuletzt gemessen?“
Notieren Sie die genannte Messgröße samt Datum und vereinbaren Sie den nächsten Messtermin gleich im Gespräch.

Kommt statt der Kurve ein Achselzucken, hat bei Ihnen bisher jemand auf Ihre Kosten geraten.

Wenn keine Antwort kommt

Nach der Kurve gefragt.Und ein Angebot bekommen?

Dann kaufen Sie Hardware gegen ein Symptom. Reden wir eine halbe Stunde darüber. Wir sehen uns an, was an Ihren zähen Vormittagen tatsächlich passiert, und sagen Ihnen, an welcher Stelle es bei Ihnen klemmt.

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