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Steuerberater

Jahresabschlüsse im September: Was die Kanzlei-IT tragen muss

15. September 2026 · RATH-iT · ← Zurück zum Blog
DER ABSCHLUSS

Im September dauert die Anmeldung Minuten.Im Juli fällt das niemandem auf.

Mitte September, kurz vor zehn. Zwanzig Leute arbeiten gleichzeitig im System, die Bilanzabteilung ist seit einer Woche durchgehend besetzt, und im Sekretariat stapeln sich die Unterlagen für die Offenlegung. In zwei Wochen müssen die Jahresabschlüsse beim Firmenbuch sein.

20Stunden
die zwei Neustarts das Team gekostet haben
! Ein Vormittag Mitte September
09:50 Bilanzabteilung „Meine Sitzung ist schon wieder eingefroren, mitten in der Buchungsmaske.“
10:05 Sekretariat „Der Jahresabschluss hängt seit zwanzig Minuten in der Warteschlange.“
10:20 Berufsanwärter „Die Anmeldung dauert seit Tagen Minuten statt Sekunden.“
10:40 Sie „Das müsste man sich mal genauer ansehen.“

Wir zeichnen heuer, also 2026, in mehreren Kanzleien mit, was in diesen Wochen tatsächlich passiert. Das Bild ist jedes Mal dasselbe: Die Kurven steigen ab Anfang September und fallen erst im Oktober wieder ab.

Der Neustart war schnell erklärt, die Dimensionierung blieb offen

In einer Kanzlei, die wir mitten in den Abgabewochen übernommen haben, lag der erste Befund im Wartungsplan. Grund: Der Terminalserver holte seine Updates nach Standardplan, also unter der Woche am Vormittag. Zweimal startete er während der Abschlussläufe neu. Wer gerade in der Buchungsmaske saß, verlor die Sitzung.

Der Neustart selbst dauert zehn Minuten. Was er kostet, ist die Wiederaufnahme: neu anmelden, den Stand suchen, die Buchung noch einmal beginnen. Rechnet man zwanzig Leute und eine halbe Stunde je Neustart zusammen, kosten die zwei Neustarts rund 20 Stunden.

Folge: Was am Vormittag liegen bleibt, rückt an den 30. September heran. Bezahlt wird diese Kanzlei für Genauigkeit. Ein Abschluss, der auf den letzten Tag rutscht, sagt über sie etwas anderes aus als über ihren Terminalserver.

Den Wartungsplan haben wir noch am selben Tag aus den Abgabewochen genommen. Das war die einfache Hälfte. Offen blieb die Frage, ob diese Maschine zwanzig gleichzeitige Sitzungen im September überhaupt trägt. Beantworten konnte uns das in der Kanzlei niemand. Gemessen hat die Kanzlei zuletzt im Sommer, also in den Wochen, in denen der Server halb leer ist. Ausgang: Angeschafft wurde vorerst nichts. Was die Maschine in diesen Wochen wirklich zu tun hat, schreiben wir seitdem mit.

Kennen Sie diesen Vormittag?
Woran Sie den Zustand erkennen

Fünf Punkte.Still für sich beantwortet.

Es geht nicht um Schuld, nur um das Muster.

01 Verliert Ihr Team in den teuersten Wochen Stunden ans Warten auf die Technik?
02 Sie wissen bis heute nicht, warum genau es in Ihrer IT-Umgebung dauernd klemmt?
03 Haben Sie schon einmal aufgerüstet, ohne dass es danach schneller war?
04 Ist unklar, wie viele Stunden Ihre Kanzlei heuer ans Warten verloren hat?
05 Wurde bei der Ursachenforschung außerhalb der Abgabewochen immer „kein Problem“ festgestellt?
Woran Sie es im Alltag merken.

Was Ihnen im Betrieb auffallen müsste

Der Wartungsplan. Updates, Neustarts und Umstellungen laufen nach einem Zeitplan. In den drei dichtesten Wochen des Jahres haben sie dort nichts verloren, und ob das so eingerichtet ist, kann Ihnen jemand in einem Satz beantworten.

Die Gleichzeitigkeit. Ein großer Auswertungslauf, ein Massendruck, eine Datenübernahme sind einzeln harmlos. Drei davon um zehn Uhr vormittags, und die halbe Kanzlei wartet. Hier lässt sich schon mit Organisation viel gewinnen, denn lastintensive Läufe gehören in die Randzeiten.

Die Aufzeichnung. Gemessen wird meistens dann, wenn Zeit dafür ist, also im Sommer. Damit misst man die ruhigste Woche des Jahres und entscheidet danach über Anschaffungen für die lauteste.

Für Technik-Interessierte Warum eine Kanzlei im September einbricht

Zwanzig Sitzungen auf einem Terminalserver teilen sich dieselbe Maschine. Vier Stellen entscheiden, ob das in den Abgabewochen trägt.

Was daraus folgt: Spitzenwerte über Wochen aufzeichnen statt punktuell messen, und zwar in den laufenden Abgabewochen. Im Sommer lässt sich die Spitze nicht mehr vermessen.

  • Der Neustart mitten in der Sitzung. Startet ein Terminalserver neu, beendet er die Sitzungen und trennt sie nicht. Eine getrennte Sitzung wartet und lässt sich wieder aufnehmen, eine beendete ist weg, samt allem, was in einer Maske noch nicht gespeichert war.
  • Die Reaktionszeit je Sitzung. Was im Büro als „zäh“ gemeldet wird, ist die Zeit zwischen Tastendruck und Bildaufbau. Sie wird in der Sitzung gemessen, nicht an der Auslastung des Servers. Erst beide Kurven nebeneinander sagen, ob Auslastung und Warten zusammengehören.
  • Geteilte Ressourcen je Sitzung. Prozessor und Speicher stehen nicht jedem Anwender für sich zur Verfügung, sondern allen gemeinsam. Ein einzelner Auswertungslauf, der einen Kern über Minuten voll auslastet, ist deshalb in neunzehn anderen Sitzungen spürbar.
  • Die Druckwarteschlange. Ein Massendruck aus den Abschlussläufen läuft über dieselbe Maschine wie die Buchung. Der nächste Auftrag wartet, bis er fertig ist. Im Juli fällt das nicht auf, weil selten zwei große Aufträge zusammentreffen.
Was ein Praktiker dazu sagt.
Matthias Fabian Traegermit KI bearbeitet
„Eine Kanzlei-IT beweist sich in den drei Wochen vor der Offenlegungsfrist. Bevor ich über neue Hardware auch nur rede, will ich die Auslastungskurven genau dieser Wochen sehen.“
Matthias Fabian Traeger
Partner
Und wie laufen ruhige Abgabewochen?

Wie ruhige Abgabewochen ablaufen

Im Frühjahr wird entschieden. Die Kurven des letzten Septembers liegen auf dem Tisch, und daraus ergibt sich, ob und wo Sie aufrüsten müssen. Wer erst im August merkt, dass etwas fehlt, ist zu spät dran.

Ab Ende August ist Ruhe im Wartungsplan. Updates und Neustarts wandern aus den Abgabewochen hinaus, die großen Läufe in die Randzeiten. Das kostet nichts und wirkt sofort.

Während der Abgabewochen läuft die Aufzeichnung mit. Die Spitze lässt sich nur vermessen, solange sie da ist. Aus „es fühlt sich langsam an“ wird damit eine belegbare Aussage: In diesen Wochen war der Arbeitsspeicher des Terminalservers durchgehend erschöpft, dort und nur dort müssen Sie investieren.

Im Oktober wird abgerechnet, auch technisch. Der Engpass bekommt eine Zahl aus der eigenen Umgebung, und die nächste Investition stützt sich darauf statt auf einen Prospekt. Das verhindert das Blindflug-Upgrade, bei dem Sie teuer aufrüsten, was gar nicht der Engpass war.

Das Ziel sind Abgabewochen, in denen die IT kein Thema ist: Die Anmeldung dauert am 25. September so lang wie am 25. Juli, Auswertungen laufen, der Druck läuft, niemand startet seine Sitzung dreimal neu.

Wo die Grenze liegt

Die Organisation der Läufe und das Sammeln der Beobachtungen schaffen Sie im Betrieb. Die Messung selbst, ihre Interpretation und die Dimensionierung von Server, Speicher und Arbeitsspeicher gehören in fachkundige Hände. Wer hier nach Gefühl aufrüstet, bezahlt oft das Falsche.

Das ist keine Kleinigkeit

Ein Einwand kommt an dieser Stelle regelmäßig: Ein paar Minuten Wartezeit, damit kann man leben, das ist doch keine Katastrophe. Stimmt, jede einzelne Wartezeit ist harmlos. Nur addiert sie niemand. Eine halbe Stunde fällt an keinem einzelnen Tag auf, und genau deshalb steht sie Ende September auf keiner Auswertung. Was sich sehr wohl bemerkbar macht, ist die Arbeit, die das Team abends nachholt, und der Abgabetermin, der dadurch näher rückt, als er sein müsste.

Eine halbe Stunde je Kopf und Neustart lassen Sie in keiner Leistungsaufzeichnung durchgehen. Bei der Technik geht sie durch, weil sie auf keinem Beleg steht.

Vier Fragen vor dem nächsten September.
Zum Weitergeben

Vier Fragen, und was Sie selbst tun können.

Das fragen Sie Das tun Sie
MESSUNG
„Zeigen Sie mir bitte die Auslastungskurven von RAM, CPU und Storage unseres Terminalservers für September und für Juli.“
Fordern Sie die Kurven noch vor dem 30. September an, danach lässt sich die Spitze nicht mehr messen.
ENGPASS
„Was war heuer unser Engpass? Benennen Sie ihn mit einer Zahl aus unserer Umgebung, nicht aus dem Prospekt.“
Gleichen Sie die genannte Zahl mit den Tagen ab, an denen es bei Ihnen zäh war.
ÜBERWACHUNG
„Zeichnen Sie unsere Umgebung ganzjährig auf? Wenn ja: Wo liegen die Daten, und wer sieht sie sich wann an?“
Lassen Sie sich die Aufzeichnung einmal im Quartal vorlegen, unaufgefordert.
INVESTITION
„Welche Investition empfehlen Sie vor dem nächsten September, und welche Messung stützt sie?“
Stellen Sie geplante Anschaffungen zurück, bis die Messung vorliegt.

Ohne diese Kurven ist der nächste September eine Wette.

Wenn keine Antwort kommt

Nach dem Engpass gefragt.Und einen Prospekt zurückbekommen?

Dann steht die nächste Investition weiter auf Bauchgefühl. Reden wir eine halbe Stunde darüber. Wir schauen in Ihre Kurven aus den Abgabewochen und benennen den Engpass mit einer Zahl.

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