Die Migration zu Microsoft 365 hat der Vorbetreuer längst erledigt, den alten Server aber nie vom Netz genommen. Gefunden haben wir das Gerät beim Netzwerkscan, kurz nachdem wir den Betrieb übernommen haben. Auf der Rechnung des Vorbetreuers stand es nicht, in der Dokumentation auch nicht. So ein Scan zeigt uns, welche Geräte im Netz antworten, nicht welche auf einer Rechnung stehen.
Befund: Exchange 2016, das letzte Sicherheitsupdate zwei Jahre alt. Die Postfächer lagen zu diesem Zeitpunkt längst in der Cloud. Gebraucht hat es niemand mehr. Aus dem Internet erreichbar war es weiterhin, so wie der Vorbetreuer es für einen Mailserver eingerichtet hat.
Ein vergessenes Gerät im Serverschrank klingt harmlos. Das Problem: Ein Mailserver muss aus dem Internet erreichbar sein, rund um die Uhr, für jedermann. Diese Erreichbarkeit war geblieben, der Grund dafür war weg. Angreifer suchen automatisiert nach genau solchen Servern. Sie suchen dabei nicht den Betrieb, sondern die Version.
Lösung: Wir haben das Gerät nach der Übernahme abgebaut, nicht nur abgeschaltet. Folgenlos ist die Sache geblieben, so viel lässt sich sagen. Zwei Jahre lang war das riskanteste Gerät im Betrieb eines, das niemand mehr brauchte. Nicht der Angriff ist an diesem Fall das Bemerkenswerte, sondern das Vergessen.
Fünf Punkte.Still für sich beantwortet.
Es geht nicht um Schuld, nur um das Muster.
Der Serverschrank. Er steht meist im selben Raum wie die Telefonanlage, oft seit dem letzten Umbau, und ein Gerät, das Mails annimmt, sieht darin aus wie jedes andere. Wer einmal hineinschaut, weiß danach, wie viele Geräte im Betrieb laufen. Welches davon die Post annimmt, steht auf keinem Aufkleber.
Das eigene Outlook. In den Kontoeinstellungen steht, mit welchem Server das Programm verbunden ist. Der Name dort sagt einem Techniker in zwei Sekunden, ob die Post über ein Gerät im Betrieb läuft oder über ein Rechenzentrum. Fragen kann man das von jedem Arbeitsplatz aus.
Der Scanner im Gang. Er verschickt Dokumente per Mail, genauso wie die Fachanwendung, das Zeiterfassungsterminal und das Portal, über das die Kunden Unterlagen hochladen. Jedes dieser Geräte trägt eine Serveradresse in seinen Einstellungen. Die Summe dieser Adressen ist die Liste, die in den meisten Betrieben nicht existiert.
Der Kern einer Mail-Migration ist unspektakulärer, als viele fürchten. Vier Bausteine machen sie aus.
Die Migration selbst ist also planbar. Was sie riskant macht, ist ausschließlich fehlender Vorlauf.
„Eine gelungene Mail-Migration erkennt man daran, dass sie niemandem auffällt. Dafür braucht sie Vorlauf, und der wird bis zum 14. Oktober jeden Monat knapper.“
Im Juni. Am Anfang steht eine Erhebung, keine Entscheidung: welche Version läuft, wann sie zuletzt ein Update gesehen hat, wer außer den Postfächern noch Mails verschickt, wo alte Archivdateien liegen. Das ist eine Liste auf einer Seite. Wohin die Postfächer am Ende wandern, ist eine Frage für sich, und sie lässt sich erst beantworten, wenn diese Liste am Tisch liegt.
Über den Sommer. Die Vorbereitung läuft neben dem Tagesgeschäft: Wir zählen und räumen die Postfächer, bereinigen Verteiler und alte Adressen, und jedes Gerät, das selbst Mails verschickt, bekommt seinen neuen Übergabepunkt. Nichts davon eilt, solange es im Sommer passiert, und nichts davon merkt jemand im Betrieb.
Am Umstellungswochenende. Der eigentliche Schwenk dauert Stunden, nicht Tage, und wir legen ihn auf ein Wochenende, weil dann niemand Post erwartet. Am Montag um acht zeigt sich, ob wir vorher sauber gearbeitet haben: Entweder jeder Arbeitsplatz und jedes Handy meldet sich von selbst am neuen System an, oder es wird ein langer Montag.
In den Wochen danach. Den alten Server bauen wir ab, statt ihn nur abzuschalten. Zertifikate, Freigaben in der Firewall und Einträge im Verzeichnisdienst nehmen wir zurück, sonst bleibt ein Gerät im Netz stehen, für das sich niemand mehr zuständig fühlt. Diesen Schritt vergisst der Betreuer regelmäßig.
So gesehen ist das kein Projekt, das den Betrieb monatelang beschäftigt. Es sind vier Etappen, und die erste davon ist eine Liste.
Version klären und die Bestandsliste anlegen geht mit Bordmitteln und einem Anruf. Das ist Ihre Seite, und dafür brauchen Sie niemanden. Der Schwenk am Wochenende und der Abbau danach brauchen Werkzeug und Erfahrung: Was dabei falsch läuft, kostet Mailverkehr, und das merkt man erst, wenn jemand nachfragt, warum keine Antwort kam.
Das stimmt sogar. Vier Monate sind für eine Mail-Migration kein knapper Rahmen, sondern ein guter. Nur gilt der Stichtag für alle gleichzeitig, und die Kalender der Beteiligten füllen sich in derselben Reihenfolge, in der die Betriebe entscheiden.
Wer im September einen Handwerker für Oktober sucht, bekommt nicht den passenden Termin, sondern den, der übrig ist. Wer im Juni entscheidet, migriert in Ruhe über den Sommer.
Kommt hier Schweigen oder ein Ausweichen, hat Ihr Betreuer den Mailserver bisher nur laufen lassen, nicht betreut.
Dann steht der Oktober im Kalender und Ihr Vorlauf nicht. Reden wir eine halbe Stunde darüber. Wir sagen Ihnen, welche Version bei Ihnen läuft, was im Betrieb sonst noch Mails versendet und wie viele Wochen bis zur Umstellung realistisch übrig sind.
Die Migration zu Microsoft 365 hat der Vorbetreuer längst erledigt, den alten Server aber nie vom Netz genommen. Gefunden haben wir das Gerät beim Netzwerkscan, kurz nachdem wir den Betrieb übernommen haben. Auf der Rechnung des Vorbetreuers stand es nicht, in der Dokumentation auch nicht. So ein Scan zeigt uns, welche Geräte im Netz antworten, nicht welche auf einer Rechnung stehen.
Befund: Exchange 2016, das letzte Sicherheitsupdate zwei Jahre alt. Die Postfächer lagen zu diesem Zeitpunkt längst in der Cloud. Gebraucht hat es niemand mehr. Aus dem Internet erreichbar war es weiterhin, so wie der Vorbetreuer es für einen Mailserver eingerichtet hat.
Ein vergessenes Gerät im Serverschrank klingt harmlos. Das Problem: Ein Mailserver muss aus dem Internet erreichbar sein, rund um die Uhr, für jedermann. Diese Erreichbarkeit war geblieben, der Grund dafür war weg. Angreifer suchen automatisiert nach genau solchen Servern. Sie suchen dabei nicht den Betrieb, sondern die Version.
Lösung: Wir haben das Gerät nach der Übernahme abgebaut, nicht nur abgeschaltet. Folgenlos ist die Sache geblieben, so viel lässt sich sagen. Zwei Jahre lang war das riskanteste Gerät im Betrieb eines, das niemand mehr brauchte. Nicht der Angriff ist an diesem Fall das Bemerkenswerte, sondern das Vergessen.
Fünf Punkte.Still für sich beantwortet.
Es geht nicht um Schuld, nur um das Muster.
Der Serverschrank. Er steht meist im selben Raum wie die Telefonanlage, oft seit dem letzten Umbau, und ein Gerät, das Mails annimmt, sieht darin aus wie jedes andere. Wer einmal hineinschaut, weiß danach, wie viele Geräte im Betrieb laufen. Welches davon die Post annimmt, steht auf keinem Aufkleber.
Das eigene Outlook. In den Kontoeinstellungen steht, mit welchem Server das Programm verbunden ist. Der Name dort sagt einem Techniker in zwei Sekunden, ob die Post über ein Gerät im Betrieb läuft oder über ein Rechenzentrum. Fragen kann man das von jedem Arbeitsplatz aus.
Der Scanner im Gang. Er verschickt Dokumente per Mail, genauso wie die Fachanwendung, das Zeiterfassungsterminal und das Portal, über das die Kunden Unterlagen hochladen. Jedes dieser Geräte trägt eine Serveradresse in seinen Einstellungen. Die Summe dieser Adressen ist die Liste, die in den meisten Betrieben nicht existiert.
Der Kern einer Mail-Migration ist unspektakulärer, als viele fürchten. Vier Bausteine machen sie aus.
Die Migration selbst ist also planbar. Was sie riskant macht, ist ausschließlich fehlender Vorlauf.
„Eine gelungene Mail-Migration erkennt man daran, dass sie niemandem auffällt. Dafür braucht sie Vorlauf, und der wird bis zum 14. Oktober jeden Monat knapper.“
Im Juni. Am Anfang steht eine Erhebung, keine Entscheidung: welche Version läuft, wann sie zuletzt ein Update gesehen hat, wer außer den Postfächern noch Mails verschickt, wo alte Archivdateien liegen. Das ist eine Liste auf einer Seite. Wohin die Postfächer am Ende wandern, ist eine Frage für sich, und sie lässt sich erst beantworten, wenn diese Liste am Tisch liegt.
Über den Sommer. Die Vorbereitung läuft neben dem Tagesgeschäft: Wir zählen und räumen die Postfächer, bereinigen Verteiler und alte Adressen, und jedes Gerät, das selbst Mails verschickt, bekommt seinen neuen Übergabepunkt. Nichts davon eilt, solange es im Sommer passiert, und nichts davon merkt jemand im Betrieb.
Am Umstellungswochenende. Der eigentliche Schwenk dauert Stunden, nicht Tage, und wir legen ihn auf ein Wochenende, weil dann niemand Post erwartet. Am Montag um acht zeigt sich, ob wir vorher sauber gearbeitet haben: Entweder jeder Arbeitsplatz und jedes Handy meldet sich von selbst am neuen System an, oder es wird ein langer Montag.
In den Wochen danach. Den alten Server bauen wir ab, statt ihn nur abzuschalten. Zertifikate, Freigaben in der Firewall und Einträge im Verzeichnisdienst nehmen wir zurück, sonst bleibt ein Gerät im Netz stehen, für das sich niemand mehr zuständig fühlt. Diesen Schritt vergisst der Betreuer regelmäßig.
So gesehen ist das kein Projekt, das den Betrieb monatelang beschäftigt. Es sind vier Etappen, und die erste davon ist eine Liste.
Version klären und die Bestandsliste anlegen geht mit Bordmitteln und einem Anruf. Das ist Ihre Seite, und dafür brauchen Sie niemanden. Der Schwenk am Wochenende und der Abbau danach brauchen Werkzeug und Erfahrung: Was dabei falsch läuft, kostet Mailverkehr, und das merkt man erst, wenn jemand nachfragt, warum keine Antwort kam.
Das stimmt sogar. Vier Monate sind für eine Mail-Migration kein knapper Rahmen, sondern ein guter. Nur gilt der Stichtag für alle gleichzeitig, und die Kalender der Beteiligten füllen sich in derselben Reihenfolge, in der die Betriebe entscheiden.
Wer im September einen Handwerker für Oktober sucht, bekommt nicht den passenden Termin, sondern den, der übrig ist. Wer im Juni entscheidet, migriert in Ruhe über den Sommer.
Kommt hier Schweigen oder ein Ausweichen, hat Ihr Betreuer den Mailserver bisher nur laufen lassen, nicht betreut.
Dann steht der Oktober im Kalender und Ihr Vorlauf nicht. Reden wir eine halbe Stunde darüber. Wir sagen Ihnen, welche Version bei Ihnen läuft, was im Betrieb sonst noch Mails versendet und wie viele Wochen bis zur Umstellung realistisch übrig sind.